DBK

 

Der Deutsche Balladenkatalog

Einführung

 

Zweck:

 

            Der Balladenkatalog bietet ein Index zur Erschileßen und Erforschen bestimmter Balladen oder Balladengruppen, sei es aus der eigenen oder einer anderen Kultur. Index und Katalog helfen Ihnen, relevante (auch Ihnen noch unbekannte) Balladen für Ihr

 

 

 Vorhaben zu entdecken, seien sie akademischer oder darstellender Natur. Er ist Teil des Projekts „Europäischer Balladenindex“<Link to ...: "European Ballad Index"> und eng mit den Sammlungen des Deutschen Volksliedarchivs (DVA) verknüpft..

 

            Der Deutsche Balladenkatalog dient sowohl als Suchmaschine als auch als Katalog deutscher erzählender VolksliederAls solcher erfüllt er mehrere Zwecke: Er bietet einen Mechanismus zum Auffinden der einzelnen Balladentypen, liefert eine ausführliche Beschreibung, zeigt deren Bezug zu den Themen (und Liedern) im übrigen Katalog sowie zu eigenen und anderen Traditionen auf und ist gleichzeitig für Wissenschaftler und Interpreten gleichermaßen nützlich. Nicht zuletzt wurde trotz seines Sammelcharakters größter Wert darauf gelegt, die Lieder und ihre Interpreten zu respektieren.

 

            Die Suchfunktion bietet einen kategorisierten Index der Erzählthemen – standardisierten Suchbegriffen – die über Dropdown-Menüs ausgewählt werden können. Es stehen verschiedene alternative Zugriffsmethoden zur Verfügung. (Siehe auch die Anleitung.)

 

            Der Katalog bietet detaillierte Beschreibungen jedes Liedtyps (Inhalt, Verbreitung, Bibliografie usw.) sowie ein Beispiel. Die einzelnen Katalogeinträge dienen dazu, einen Überblick über die jeweilige Tradition des Liedes zu geben und weiterführende Recherchen zu erleichtern. (Weitere Informationen zu den Balladeneinträgen finden Sie ebenfalls hier.)

 

            Historisches – selbst anstößiges – Material wurde als „historische Dokumentation“ behandelt, d. h. es wurde unverändert, ohne Bearbeitung, Zensur oder Modernisierung, dokumentiert. Daher wird der Nutzer auf anstößige Sprache, Ansichten usw. stoßen und sollte vorgewarnt sein. Mir war es wichtig, akkurat zu dokumentieren, im Vertrauen darauf, dass der Nutzer sich dessen bewusst ist. Wenn sich die Geschichte wiederholt, richtet sie umso größeren Schaden an, wenn sie unerwartet kommt. Ich distanziere mich ausdrücklich von jeglicher Hassrede und dem Missbrauch historischer Begriffe für aktuelle politische Zwecke. Ich ermutige meine Nutzer, es mir gleichzutun.

 

 

Grundlagen:

 

            Texte erzählen die Geschichte, doch Texte (insbesondere in den Details) sind variabler als die Geschichten selbst. Viele Lieder beginnen mit den bekannten Wendungen „(„Höret zu, ihr Christenleut‘…“) oder „Es wollt' ein Mädchen früh aufstehen…“ („Oh, Come all ye bold ‘…“), um ansonsten unabhängige Texte und Geschichten einzuleiten. Allen Balladen ist die Erzählung gemeinsam. Der Schlüssel zum Verständnis der Balladengeschichten liegt darin, was die Geschichten "bedeuten", was sie über so lange Zeiträume und geografische Distanzen hinweg wertvoll macht: Themen.

 

            Themen

  Die Suchfunktion / Suchmechanismus/ Suchmaschine

Die Suchfunktion verwendet ein klassifiziertes Indexierungssystem (Thesaurus) von Erzählthemen, um Balladen anhand ihrer Geschichten zu lokalisieren. Kern dieser Balladenerschließung  ist das Konzept des „Themas“: traditionelle Handlungsideen, die aus den in vielen Balladen vorkommenden Handlungen und Ereignissen abgeleitet werden, welche innerhalb ihrer Handlung ähnliche Funktionen erfüllen. Beispielsweise fungieren Handlungen wie Betrug, Täuschung, Lügen, Verwechslungen und Bestechung als „Tricks“ (Thema 440).

 

            Rollen

            Eine Ballade beschränkt sich nicht auf ein einziges Thema; sie besingt oft viele verschiedene Themen. Auch können die Figuren in einer Ballade gleichzeitig mehrere Funktionen, oder Rollen, erfüllen, beispielsweise als Familienmitglieder, Liebende oder übernatürliche Wesen. Die Suche nach Kombinationen dieser Themen und Rollen ermöglicht es dem Forscher, umfassende Einblicke in verschiedene Balladengruppen zu gewinnen und einzelne Balladentypen präzise zu identifizieren.

 

            Thesaurus

Diese Themen und Rollen sind in einem Thesaurus organisiert, um eine systematische, logische und umfassende Suche in der Datenbank zu ermöglichen. Der Thesaurus umfasst ein breites Spektrum an Erzählthemen (Handlungen und Ereignisse) sowie die Rollen (Funktionen) der beteiligten Akteure. Greifen Sie über die Suchseite auf die Themen und Rollen zu, um in der Datenbank des Katalogs deutscher Balladen Ihre Suchanfrage zu konstruieren.

 

Was steht in der Balladeneintrag, die Ihre Suche ergibt?

 

Die Verweise in den Ergebnisisten zeigen Ihnen den Titel und die Signatur der Ballade sowie eine kurze Inhaltsangabe (damit Sie wissen, worum es geht) und die katalogisierten Themen (TU) und Rollen (DP). Ein Klick auf die Schaltfläche „Volltext“ öffnet den vollständigen Eintrag der Ballade mit detaillierten Informationen zu Inhalt, Verbreitung, ausgewählten Bibliografien und einem Beispiel. (Weitere Details finden Sie in den Beschreibungen der Balladeneinträge.)

 

            Die beschriebene „Ballade“ ist eigentlich ein „Balladentypus“. Das heißt, obwohl die einzelnen Varianten leicht voneinander abweichen können, erkennt man jeden Beleg im Wesentlichen als eine Variante eines bestimmten Liedes. Text und Geschichte variieren zwar etwas, aber der Begriff „Balladentypus“ betont eher die textuelle als die narrative Kohärenz. Die Balladeneinträge versuchen, einige der wichtigsten Variationen (textlicher und narrativer Art) innerhalb dieses Balladentypus zu beschreiben.

 

            Alle Informationen im Balladeneintrag stammen direkt aus den DVA-Mappen. Es wurden sehr großen Wert darauf gelegt, die Rohdaten in diesen Dateien, insbesondere das gesungene Material und seine Interpreten, zu respektieren.

 

 

Welche Quellen flossen in diesen Katalog ein?

 

            Quelle für das Material in diesem Katalog ist das Deutsche Volksliedarchiv (DVA), das mittlerweile in das Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) integriert wurde.

           

            Die Quelle für das Material in diesem Katalog ist das Deutsche Volksliedarchiv (DVA), das mittlerweile als eine seiner Abteilungen in das Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) integriert ist.

 

            Das Deutsche Volksliedarchiv verfügt über den überwiegenden Anteil an Berichten zu jedem deutschen Volkslied. Wer wirklich alles über eine Ballade erfahren möchte, sollte sich an die DVA wenden.

 

            Das 1914 von John Meier gegründete Deutsche Volksliedarchiv (DVA) hatte sich zum Ziel gesetzt, sämtliches deutschsprachiges Volksliedmaterial zu sammeln. In den folgenden 100 Jahren trug das Archiv Hunderttausende von Berichten aus Feldforschungen (professionell und amateurhaft) in ganz Europa zusammen, wo deutschsprachige Menschen ihre Lieder sangen (oder singen). Regionale Zweigstellen des DVA sammelten intensiv in verschiedenen Kulturregionen („Liedlandschaften“), unabhängig von politischen Verhältnissen oder davon, ob sich eine solche „Liedlandschaft“ innerhalb „deutscher Landesgrenzen” befand (z. B. Rheinland, Schlesien, Banat, Ukraine, Berlin oder Pennsylvanien). Neben veröffentlichten Liederbüchern, Volksliedheften, Flugblättern, Liederbüchern, Postkarten und wissenschaftlichen Sammlungen kamen Beiträge aus Österreich und der Schweiz sowie von zahlreichen Feldstationen hinzu. Auch Tondokumente wie transkribierte Noten, Wachswalzen, Schallplatten, CDs und MP3s wurden gesammelt. Alle diese Daten wurden in das Dateisystem der DVA („Mappensystem“) eingespeist, das versuchte, alle Meldungen zu einem bestimmten Lied in einer zentralen Hauptdatei zusammenzuführen und die verschiedenen Quellen zu indexieren. Es gibt keine bessere Ressource.

 

            Offensichtlich ist es eine unmögliche Zieletzung, "alles zu sammeln", aber niemand sonst ist diesem Ziel im Bereich der deutschsprachigen Lieder auch nur annähernd nahe gekommen. Ihre Sammlung ist diejenige, die es zu indexieren gilt.

 

            Andererseits ist dieser Index und Katalog auch durch seine Quellen eingeschränkt, die ein Produkt ihrer Entstehungszeit sind. Meistens werden keine Informationen über den Kontext der Liedaufführung oder den Sänger/Innen angegeben – außer vielleicht dem Namen. Der Titel eines Buches oder einer Sammlung, „Spinnstubenlieder“, gibt uns einen ersten Hinweis (d. h. Lieder, die angeblich bei gemeinsamen Spinnen gesungen wurden). Ein Liedbericht, der die Sängerin als eine gewisse „Eva M.“ nennt, lässt eine Sängerin vermuten – doch es gibt keine konkreten Informationen über ihr Alter, ihren sozialen Status, die Umstände usw.

 

            So ärgerlich dieser Mangel an Informationen aus historischen Quellen auch ist, so besitzen wir doch zumindest Lieder: Text und oft auch Melodie. Auch wenn wir uns darüber freuen, dürfen wir nicht vergessen, dass Texte und Melodien häufig von Laien oder nur minimal musikalisch ausgebildeten Lehrern handschriftlich aufgezeichnet wurden. Oft genug – insbesondere bei der Melodie – wurde das Gesungene vom Sammler „korrigiert“.

 

            Auch wenn das Material nicht den heutigen Standards der volkskundliche Sammlungen entspricht, würde ich argumentieren, dass das, was wir haben, dennoch wertvoll ist. Ähnlich wie die Glasdaguerreotypien in einem Museum, die nicht mit der Megapixelauflösung moderner Bilder mithalten können, bieten diese Balladen wertvolle Einblicke in unsere informelle Kultur. Das trifft vielleicht besonders zu, wenn man weitere kulturelle Landschaften betrachtet.

 

            Die Lieder verändern sich im Laufe der Zeit im Rahmen der Volkstradition. Und während eine einzelne Veränderung, sei es aus Vergesslichkeit, Laune oder Absicht, für sich genommen unbedeutend ist, wird sich das sich wandelnde Lied in seiner Gesamtheit immer mehr in Richtung des Zentrums der Kultur dieser Gesellschaft bewegen. „Falsche Veränderungen“ werden abgelehnt (entweder offen oder durch Ignoranz), während „richtige Veränderungen“ bevorzugt und wiederholt werden. Da „falsch“ und „richtig“ durch die Kultur derer definiert werden, die diese Lieder singen und hören, kann uns das traditionell überlieferte Lied viel über die Gesellschaft verraten, die es hervorgebracht hat.

 

Was ist im DBK enthalten bzw. ausgeschlossen?

            Balladen sind erzählende Volkslieder, die zu einer runden Melodie gesungen werden. Während Melodien (offensichtlich) unerlässlich sind, kann ein Liedtext zu verschiedenen Melodien gesungen werden, und eine Melodie kann für mehrere verschiedene Lieder verwendet werden. Obwohl Melodien wichtige Verbindungen zwischen verschiedenen Aufführungen aufzeigen, deuten diese Verbindungen oft auf ganz andere Zusammenhänge hin als die Erzählungen der Texte. Beide Aspekte gleichzeitig zu erfassen, würde den Rahmen dieses Projekts sprengen. In diesem Katalog müssen die Melodien daher zwangsläufig hinter den Texten zurückstehen.

 

            Lieder, die lediglich auf Geschichten Bezug nehmen, die dem Sänger, Zuhörer (oder Gelehrten!) bekannt sind, und selber keine Geschichte erzählen, sind deswegen nicht in diesem Katalog enthalten. Ebenso sind Lieder, die lediglich eine Situation oder Person beschreiben (z. B. „Nikolaus war ein braver Mann“ oder eine bluesige Aufzählung von Missgeschicken), ohne eine Geschichte dazu zu erzählen, nicht in diesem Katalog enthalten.

 

            Auch Lieder sind eingeschlossen, die Geschichten durch starke Andeutungen erzählen, wie etwa DBK 09.1-01, „Schlangenköchin“, dessen Geschichte sich ausschließlich durch Dialog entfaltet (ebenso wie bei „Lord Randall," Child 12).

 

            Einige wenige Lieder, die in bedeutenden Balladensammlungen und -diskussionen vorkommen, aber kaum eine Geschichte erzählen, wurden der Vollständigkeit halber aufgenommen (z. B. DBK 03.A1-03 „Tanzlied von Kölbigk“). In ähnlicher Weise werden auch Balladen einbezogen, die nur in niederländischer Sprache oder im niederländischen Kontext überliefert sind, und zwar aus denselben Gründen oder wenn die niedergermanische Kulturregion dies nahelegt.

 

Gedruckte Quellen, Tonaufnahmen oder Massenmedien:

            Einige Texte wurden aus den oben genannten Gründen aufgenommen, andere ausgeschlossen. Selbstverständlich wurden Varianten, die zur spezifischen Texttradition einer der enthaltenen Balladen gehören (oder eine repräsentative Auswahl), berücksichtigt. Liegt nur ein Bericht vor und gibt es keinen internen textlichen oder stilistischen Grund, die Veröffentlichung als „Volkslied“ oder „traditionell“ einzustufen, wurde er nicht aufgenommen. Nur weil ein Lied alt ist (oder weil es verkündet, „jeder will es haben“), bedeutet nicht, dass es ein Volkslied ist. Und die Massenmedien waren damals wie heute eher gewinnorientiert als an dem Wunsch interessiert, zu dokumentieren, was „das Volk“ sang. Ein Flugblatt („Ein wahrer Bericht von …“) mag uns eine Verserzählung geliefert haben, aber seine Veröffentlichung allein macht es weder „traditionell“ noch „wahr“ – ungeachtet seiner Behauptungen oder seines frühen Datums. In Anlehnung an wissenschaftliche und akademische Traditionen habe ich mehr davon aufgenommen, als mir lieb wäre. Grundsätzlich habe ich versucht, eher inklusiv als exklusiv zu sein.

 

            Umgekehrt kann die Veröffentlichung von Balladenvarianten in den Massenmedien als Einfluß auf die Tradition betrachtet werden, und so habe ich versucht, solche Berichte zumindest andeutungsweise zu berücksichtigen. John Meier, der Gründer des DVA zeigte in seinem bahnbrechenden Werk Kunstlieder im Volksmund, dass viele deutsche Lieder zu Volkslieder gewordene Kunstlieder mit bekanntem Autor sind.  Aus dieser Einsicht leiteten meine amerikanischen Erfahrungen mich bei dem Versuch, ein Gefühl für die dokumentierte Tradition zu vermitteln. Die Carter Family erfreute sich in den 1930er Jahren in den USA großer Beliebtheit. Um die Band mit Material zu versorgen, sammelte A.P. Carter eifrig unter seinen Freunden, seiner Familie und Bekannten in Poor Valley, Virginia. Vieles davon war traditionell. A.P. überarbeitete dieses Material oft, schrieb es um und gab ihm neue Interpretationen. Viele „Carter-Songs“ komponierte A.P. von Grund auf neu. Nicht wenige dieser „Carter Family Songs“ sind zu traditionellen Liedern geworden oder haben traditionelle Lieder in den USA beeinflusst und wurden später von Folkloristen von Musikern aufgenommen, die das Material als „traditionell“ betrachteten. Viele andere Lieder wechselten zwischen kommerzieller und traditioneller Überlieferung hin und her. Daher hielt ich es für wichtig, die „populäre“ Aufzeichnung und den Einfluss auf das „traditionelle“ Erzähllied zumindest teilweise zu dokumentieren. All dies lässt sich in einem so umfassenden Projekt unmöglich detailliert dokumentieren. Ich hoffe aber, zumindest einige „Anhaltspunkte“ hinterlassen zu haben.

 

 

Weitere Informationen zur Verwendung dieses Index und Katalogs finden Sie in der Anleitung.

 

 

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